Rund um die Welt erzählen Menschen von unglaublichen Erlebnissen, die sie hatten, als sie im
klinischen Sinne tot waren. Verrückte Träume einiger Fantasten oder mögliche "Jenseitserfahrungen"?
Sogenannte Nahtoderlebnisse sind heute Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Forschung.
Sterben - was ist das? Ist der Tod das große Nichts oder gibt es ein "danach"? Diese Fragen
lösen bei fast allen Menschen Gefühlsreaktionen wie Angst, Abwehr oder Verleugnung aus. Quälende Ungewissheit,
für immer ausgelöscht sein, niemals mehr "sie" oder "ihn" berühren zu können - solche
Gedanken sind für viele von uns unerträglich.
Niemand weiß mit Sicherheit, was tot sein bedeutet. Und doch gibt es Menschen, die diesem Punkt schon ein großes
Stück näher waren, als wir Anderen. Sie waren klinisch tot oder in bereits äußerst bedenklicher Verfassung und
sind doch ins Leben zurückgekehrt. Die berühmte Ärztin Dr. Elisabeth Kübler-Ross (sie erhielt 28 zusätzliche
Ehrendoktorate für ihre Forschungstätigkeit zu diesem Thema), der amerikanische Psychiater R. Raymond Moody und
viele andere haben über 30 Jahre lang Erlebnisse von tausenden Menschen ausgewertet, die offiziell für tot erklärt
und später wiederbelebt wurden. Alle Bücher, die sie darüber verfasst haben, wurden Bestseller. Die Erzählungen
darüber, was die Menschen in der Zeit ihres "Todes" erlebt haben , gleichen sich in verblüffender Weise.
Jeder einzelne sagt, dass sein Leben danach nicht mehr das gleiche war. Keiner fürchtet sich mehr vor dem Sterben,
weil es ein einmalig schönes, befreiendes Erlebnis sei: "Ein Mensch liegt im Sterben. Während sich seine
körperliche Bedrängnis ihrem Höhepunkt nähert, hört er wie der Arzt ihn für tot erklärt. Mit einem Mal nimmt er ein
unangenehmes Geräusch wahr, ein durchdringendes Läuten oder Brummen, und zugleich hat er das Gefühl, dass er sich sehr
rasch durch einen langen dunklen Tunnel bewegt. Danach befindet er sich plötzlich außerhalb seines Körpers, jedoch in
derselben Umgebung wie zuvor. Als ob er ein Beobachter wäre, blickt er nun aus einiger Entfernung auf seinen eigenen
Körper. In seinen Gefühlen zutiefst aufgewühlt, wohnt er von diesem seltsamen Beobachtungsposten aus den
Wiederbelebungsversuchen bei. Nach einiger Zeit fängt er sich und beginnt sich immer mehr an seinen merkwürdigen
Zustand zu gewöhnen. Wie er entdeckt, besitzt er noch immer einen "Körper", der sich jedoch, sowohl in seiner
Beschaffenheit als auch seinen Fähigkeiten nach, von dem physischen Körper unterscheidet, den er zurückgelassen hat.
Bald kommt es zu neuen Ereignissen. Andere Wesen nähern sich dem Sterbenden, um ihn zu begrüßen und ihm zu helfen. Er
erblickt bereits verstorbene Verwandte oder Freunde und ein Liebe und Wärme ausstrahlendes Wesen, wie er es noch
nie gesehen hat, ein Lichtwesen, erscheint vor ihm. Dieses Wesen richtet - ohne Worte zu gebrauchen - eine Frage an ihn,
die ihn dazu bewegen soll, sein Leben als Ganzes zu bewerten. Es hilft ihm dabei, indem es das Panorama der wichtigsten
Stationen seines Lebens in einer blitzschnellen Rückschau an ihm vorüber ziehen lässt. Einmal scheint es dem Sterbenden,
als ob er sich einer Art Schranke oder Grenze näherte, die offenbar die Scheidelinie zwischen dem irdischen und dem
folgenden Leben darstellt. Doch wird ihm klar, dass er zur Erde zurückkehren muss, da der Zeitpunkt seines Todes noch
nicht gekommen ist. Er sträubt sich dagegen, denn seine Erfahrungen mit dem jenseitigen Leben haben ihn so sehr gefangen
genommen, dass er nun nicht mehr umkehren möchte. Er ist von überwältigenden Gefühlen der Freude, der Liebe und des
Friedens erfüllt. Trotz seines inneren Widerstandes - und ohne zu wissen wie - vereinigt er sich dennoch wieder mit
seinem physischen Körper und lebt weiter. Bei einem späteren Versuch, anderen Menschen von seinem Erlebnis zu berichten,
trifft er auf große Schwierigkeiten. Zunächst einmal vermag er keine menschlichen Worte zu finden, mit denen sich
Geschehnisse dieser Art angemessen ausdrücken ließen. Da er zudem entdeckt, dass man ihm mit Spott begegnet, gibt er es
ganz auf, anderen davon zu erzählen. Dennoch hinterlässt das Erlebnis tiefe Spuren in seinem Leben und beeinflusst die
gesamte Art, wie der jeweilige Mensch nun dem Tod gegenübersteht" (R. Moody: "Das Leben nach dem Tod")
Sind diese Erlebnisse
Wirklichkeit oder phantastische Träume? In Österreich hat der Tiroler Wissenschafter und gerichtlich beeidete
Sachverständige für Kinder- und Jugendpsychologie Dr. Engelbert Winkler 125 Menschen über ihre Sterbeerlebnisse befragt
und darüber das "Abendländische Totenbuch " geschrieben. Er kommt zu folgendem Schluss: "ahtoderlebnisse
sind Erfahrungen, die so tiefgreifend sind, dass sie den Betroffenen für immer verändern können. Sie sind ein eindeutiger
Hinweis darauf, dass Leben nach dem Tod existiert. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine wissenschaftlich umfassende
Erklärung von Nahtoderlebnissen auf neurophysiologischer oder psychologischer Basis. Die Neurologie kann zum Beispiel
nicht erklären, warum Menschen, die im klinischen Sinne tot waren nach dem Erwachen genau angeben konnten, was sich
während des gleichen Zeitraum in einem entfernten Zimmer abgespielt hat. Trotzdem sind naturwissenschaftliche
Forschungsansätze sehr wichtig, da sie Einsichten geben können, was an der Grenze von Leben und Tod geschieht."
Was passiert denn nun an dieser geheimnisvollen Grenze?
Forschungsergebnisse rund um die Welt weisen auf sechs Stufen, nach der die Sterbeerfahrung abläuft. Manche erleben nur
einzelne Elemente davon, andere alle. Auffallend ist, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen Ähnliches berichten. Die
Erlebnisse beginnen damit, daß die Betroffenen hören, wie sie für tot erklärt werden. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem
sie auf Grund ihres körperlichen Zustandes eigentlich nicht mehr in der Lage waren, etwas zu hören.
Stufe 1: RUHE UND SICHERHEIT
Viele schildern dann, dass sie ein tiefes Gefühl von Ruhe und Frieden verspürten, unabhängig davon, wie dramatisch die
Ereignisse waren, die zu ihrem "Tod" geführt hatten. Ein Mann berichtet: "Ich hatte ein unglaubliches
Gefühl der Erleichterung, keine Schmerzen und niemals zuvor war ich so entspannt gewesen. Alles war gut".
Stufe 2: VERLASSEN DES KÖRPERS
Bei Nahtoderlebnissen nehmen viele Menschen ihren Körper von außen wahr. Sie sehen sich meis von oben auf ihrem Bett
oder am Unfallort liegen und können nachher genau berichten, was zu diesem Zeitpunkt mit ihnen geschah. Eine Frau
erzählt: "Ungefähr vor einem Jahr wurde ich wegen Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert. Am nächsten Morgen
spürte ich plötzlich einen heftigen Schmerz in der Brust. Ich konnte noch die Schwester rufen. Plötzlich stockte mir der
Atem und der Herzschlag blieb weg. Da hörte ich die Schwester rufen: "Herzstillstand". Ich fühlte, wie ich aus
meinem Körper austrat und langsam in die Höhe schwebte. Ich trieb immer weiter hinauf und sah von dort zu, wie der Arzt
und die Schwester versuchten mich wiederzubeleben. Und die ganze Zeit dachte ich - warum tun sie das? Mir geht es doch
sehr gut." Die gefühlsmäßigen Reaktionen auf den außerkörperlichen Zustand reichen von Nicht-Begreifen, Angst
und Erstaunen bis zu dem vergeblichen Versuch, den Körper wieder in Gang zu bringen. Fast alle berichten von dem
verzweifelten Bemühen, sich bemerkbar zu machen. Aber niemand konnte sie hören oder sehen. Bei dem Versuch, die anderen
anzufassen, griffen sie durch sie hindurch. Obwohl sie sich eindeutig außerhalb ihres Körpers befunden hatten, gaben die
Menschen an, trotzdem eine Art Körper besessen zu haben. Er sei nebelhaft und durchsichtig gewesen, obwohl die Umrisse
klar erkennbar waren. Als große Besonderheit wird berichtet, dass der Körper in diesem Zustand vollkommen heil war.
Kübler- Ross erzählt von Blinden, die plötzlich wieder sehen konnten und später genau angaben, wie die Anwesenden
gekleidet waren. Manche konnten sogar die Autonummer des Unfallwagens bekannt geben. Ein kleines Mädchen, das wegen einer
Chemotherapie alle Haare verloren hatte, sagte: "Stellen Sie sich vor, ich hatte meine langen Haare wieder."
Zum großen Erstaunen der Betroffenen konnten Ortsveränderungen blitzartig vorgenommen werden. "Ich dachte nur an das
Haus meiner Eltern und im gleichen Augenblick war ich dort", berichtet ein Mann , der nach einer Schussverletzung
dem Tode nahe war.
Stufe 3: DER TUNNEL
Der Tunnel ist eines der wichtigsten Elemente jeder Nahtoderfahrung und kommt in nahezu allen Berichten vor. Der
Sterbende hört plötzlich ein durchdringendes Geräusch, das als Brausen, Dröhnen oder Rauschen beschrieben wird.
Gleichzeitig hat man das Gefühl, sehr schnell durch einen dunklen Raum gezogen zu werden. "Nach einem schweren
Unfall war ich klinisch tot. Ich weiß, daß ich mich plötzlich neben meinem Körper befand. Plötzlich hörte ich ein
lautes Summen. Gleichzeitig näherte ich mich einer schwarzen Öffnung. Ich wurde hineingezogen und drinnen war es völlig
dunkel", schildert ein Mann nach einem Motorradunfall. Erwachsene erzählen oft, dass sie in diesem Tunnel alleine
gewesen seien, Kinder jedoch niemals. Diese berichten immer von "Schutzengeln", die sie begleitet hätten.
Auch manche Erwachsenen begegnen verstorbenen Freunden oder religiösen Figuren.
Stufe 4: DAS LICHTWESEN
Am tiefsten berührt die Menschen die Begegnung mit einem "sehr hellen Licht". Dieses Licht strömt
unbeschreibliche Liebe und Wärme aus. Alle schildern übereinstimmend, dass sie sich nie zuvor so geborgen und sicher
gefühlt hätten. Von diesem Licht geht eine magnetische Anziehungskraft aus. „ Ich war außerhalb meines Körpers und
eben durch einen dunklen Tunnel geschwebt. Ich war noch vollkommen verwirrt über die Geschehnisse, als ich am Ende
des Tunnels dieses gewaltige, helle Licht sah. Zuerst war es matt, aber dann wurde es immer intensiver. Die Liebe und
Wärme, die es ausstrahlte, ist nicht zu beschreiben. Ich wollte nur noch in die Nähe dieses Lichtes.", erzählt eine
Frau nach einem schweren Narkosezwischenfall. Die meisten Menschen sind nach der Begegnung mit diesem Licht der
Überzeugung, einem göttlichen Wesen begegnet zu sein.
Stufe 5: DIE RÜCKSCHAU
Das Lichtwesen macht zusammen mit dem Sterbenden eine Art Lebensrückschau, bei der es auch darum geht, die Wirkung
des eigenen Verhaltens auf andere zu erkennen. Alle betonen jedoch, dass es keinen Vorwurf, keine Anklage und kein
Urteil gegeben hätte. Man selbst würde - manchmal voll Beschämung - die eigenen Irrtümer erkennen. Das Licht vermittelt,
daß zwei Dinge im Leben wichtig sind: Liebe und Wissen.
Stufe 6: DIE GRENZE
Oft erzählen die Betroffenen von atemberaubend schönen Landschaften mit einer unglaublichen Artenvielfalt von Tieren und
Pflanzen. Es gibt Gebäude aus Kristall und Städte aus Licht. Überwältigt von der Begegnung mit dem Lichtwesen und der
wundervollen Umgebung will man nichts Anderes, als weitergehen. Aber irgendwann nähert sich der Sterbende einer Stelle,
die eine Grenze darstellt. Hier wird ihm vermittelt, dass er niemals mehr in sein Leben zurückkehren kann, wenn er diese
Schranke überschreitet, und dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen ist, für immer hier zu bleiben. Fast alle erzählen,
dass sie nicht zurückgehen wollten. Ausnahmen waren Frauen mit kleinen Kindern. Sie sagten, dass sie persönlich am
liebsten dort geblieben wären, ihr Verantwortungsgefühl aber überwogen hätte. Die Gründe für das Zurückkommen sind
vielfältig. Die meisten glauben, dass es dann doch ihre eigene Entscheidung war, andere sagen, Gott habe sie zur
Erfüllung ihrer Aufgaben zurückgeschickt. Eine dritte Gruppe meint, dass es die Liebe und die Gebete anderer waren, die
für ihre Rückkehr verantwortlich waren.
Irgendwie - die meisten wissen nicht in welcher Art - vereinigen sie sich wieder mit ihrem Körper und leben weiter. Die
Gefühle nach dem Erwachen reichen von Traurigkeit bis Aggressivität. "In der ersten Zeit weinte ich noch häufig,
weil ich diese andere Welt erblickt hatte und nun in dieser leben muss", sagt eine Frau, die erfolgreich wiederbelebt
wurde. "Ich war zornig, dass sie mich zurückgeholt hatten. Ich wollte nur dort bleiben", sagt eine andere. Und
ein Mann erzählt nach seiner Rückkehr: "Ich habe Etwas von diesen herrlichen Gefühlen mitgebracht, die mich dort
erfüllt haben. Manchmal spüre ich sie noch wie einen fernen Hauch." Kein einziger bezweifelt, diese Erlebnisse
wirklich gehabt zu haben. Alle sind sicher: es war kein Traum, keine Phantasterei, keine Halluzination. Trotzdem haben
sie Angst darüber zu sprechen, weil sie fürchten, dass andere sie für verrückt halten könnten. "Nachdem ich
aufgewacht war, wollte ich der Schwester davon berichten. Aber sie riet mir, nicht darüber zu sprechen, da ich mir das
Ganze doch nur eingebildet hätte", erzählt eine Frau.
Niemand, der ein Nahtodeerlebnis hatte, ist nachher derselbe wie vorher. Dr. Winkler: "Das Wesen der
Nahtoderfahrung ist wie das Wiederfinden einer vergessenen Wahrheit. Niemand bleibt davon unberührt. Ich habe
festgestellt, dass die Persönlichkeit der Betroffenen oft eine völlige Neuorientierung erfährt. Sie haben größere
Achtung vor allem Lebendigen, sind toleranter, und ihre Werte verschieben sich oft in dramatischer Weise. Belastende
Beziehungen werden abgebrochen und unbefriedigende Berufe aufgegeben. Das Leben ist nicht mehr eine Aufeinanderfolge
von Zufällen, sondern hat einen tiefen Sinn. So stellen nach einer Nahtoderfahrung auch Notsituationen Aufgaben dar,
die es zu bewältigen gilt." Fast alle Menschen entwickeln ein größeres Interesse für Spiritualität. Und keiner
fürchtet sich mehr vor dem Tod. "Ich habe jetzt keine Angst mehr vor dem Sterben. Ich weiß, das" ich hier
Aufgaben zu erfüllen habe. Aber wenn es so weit ist, weiß ich wohin ich komme. Ich bin ja schon dort gewesen",
sagt eine junge Frau nach einem schweren Unfall.
Dr. Winkler verlangt auch eine neue wissenschaftliche Fragestellung: „Grundsätzlich geht es gar nicht so sehr darum,
was Nahtoderfahrungen wirklich sind, sondern was sie bei den Menschen bewirken, die damit konfrontiert sind. Ich habe
als Klinischer Psychologe und Psychotherapeut herausgefunden, dass Nahtoderfahrungen eine heilsame Wirkung bei
Depressionen, Ängsten und auch Selbstmordgefährdung haben. Verglichen mit dem Effekt eines Nahtoderlebnisses erscheinen
die Methoden der Psychotherapie wie unbeholfene Flugversuche eines altertümlichen Fluggerätes im Gegensatz zum modernen
Düsenjet." Winkler betont aus eigener Erfahrung die hilfreiche Wirkung von Sterbeerlebnissen bei Menschen, die in
das letzte Stadium eintreten: "Ich habe solchen Patienten von Nahtoderfahrungen erzählt und konnte beobachten, wie
sie viel friedlicher Abschied nahmen." Nahtoderlebnisse bieten auch Erklärungen bei sogenannten
"Sterbebettvisionen", die betreuende Personen oft verunsichern.
Das Hauptanliegen von Dr. Winkler ist folgendes: "Ich möchte, dass Nahtodphänomene die Bedeutung
erhalten, die sie verdienen. Genau genommen sind diese Erlebnisse die einzigen uns zugänglichen zentralen religiösen
Erfahrungen. Sie sind die Verbindung zwischen uns und einer anderen Welt. Die Menschen, die das erlebt haben, sollten
viel intensiver interviewt werden. Für die Wissenschaft ergeben sich noch viele offene Fragen."
Der deutsche Neurologe Dr. Michael Schröter-Kunhardt versucht seit einigen Jahren offenen Fragen in
der Nahtodforschung nachzugehen. Über 200 Betroffene hat er befragt und wissenschaftliche Publikationen darüber
verfasst. Er ist auch der Vertreter der Internationalen Gesellschaft für Nahtodforschung im deutschsprachigen Raum.
Dr. Schröter-Kunhardt wird am 6. Juli im Rahmen des Weltpsychotherapiekongresses in Wien einen Vortrag über seine
Forschungstätigkeit halten und über den neuesten Wissensstand berichten. (Info: 01/512-04-44)
Sind diese Phänomene nun wirklich Erlebnisse in Todesnähe oder gibt es auch natürliche Erklärungen? Können
biochemische Vorgänge im Gehirn die alleinige Ursache für solche Sinneseindrücke sein?
Univ. Prof. Dr. Christian Müller, stellv. Leiter an der Abteilung für neurologische Rehabilitation im AKH, Wien:
"Als Neurologe ist es meine Pflicht, den Versuch zu machen, diese Phänomene wissenschaftlich zu erklären.
Genau dort im Gehirn, wo sich Gedächtniszellen befinden, sind die Zellen besonders anfällig für Sauerstoffmangel, was
zu Reizerscheinungen mit Erinnerungsphänomenen führen kann. Das Tunnelphänomen könnte mit der Anatomie der Sehbahnen
erklärt werden. Ich glaube aber, dass wir mit unseren jetzigen Möglichkeiten nicht eindeutig beweisen können, ob es
sich bei Nahtoderlebnissen um Sterbeerfahrungen handelt oder um chemisch-physikalische Vorgänge. Auf jeden Fall haben
die Erlebnisse eine gefühlsmäßige Wirkung auf die jeweiligen Menschen und als solche sollten wir sie respektieren.
Wenn es eine Seele gibt, die sich beim Sterben vom Körper löst, dann entzieht sie sich der Forschung mit
neurowissenschaftlichen Methoden."
Univ. Prof. Dr. Hans Georg Zapotoczky, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie, Graz:
"Nahtoderlebnisse sind Träume der Betroffenen und für mich keinesfalls eine Vorstufe des Todes. Wir wissen heute,
dass auch Bewusstlose wahrnehmen. Grundsätzlich bin ich metaphysischen Dingen gegenüber aufgeschlossen, aber ich weiß,
dass nach dem Tode nichts kommt. Auf jeden Fall ist eine solche Erfahrung der Bewältigungsversuch einer Schocksituation
im Leben des Betroffenen und sollte als solcher ernst genommen werden."
Dr. Christian Plaue, Allgemeinmediziner mit Schwerpunkt Krebstherapie, Wien:
"Es gibt biochemische Vorgänge im Gehirn, die diese Empfindungen möglicherweise erklären können. Als spiritueller Mensch
und gläubiger Christ bin ich allerdings der Auffassung, dass es außer diesem Leben noch etwas anderes gibt. Sonst
wäre der Mensch ja nur ein höher entwickeltes Bakterium."
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Scharf, Primarius der Unfallabteilung im Hanuschkrankenhaus, Wien:
"Als Unfallchirurg war ich schon einige Male mit Menschen konfrontiert, die nach Wiederbelebungen von solchen Erfahrungen
erzählten. Ich bin der Überzeugung, dass es sich bei solchen Berichten um Sterbeerlebnisse handelt, also um
Geschehnisse beim Übertritt in eine andere Daseinsform. Ich glaube nicht, dass die Menschen das nur träumen. Wir haben
halt heute noch nicht die Möglichkeit, diese Dinge zu erforschen. Nehmen Sie nur die Telepathie. Jeder weiß, dass sie
existiert, aber noch weiß niemand genau wie. Vielleicht kommt der Tag, an dem Nahtoderfahrungen normaler Bestandteil
unseres Wissenstandes sind."
WEITERE BERICHTE von Menschen mit Nahtoderfahrungen:
Waltraud Srp, 57:
"Als mir die Mandeln entfernt wurden, kam es zu einem Narkosezwischenfall. Ich erinnere mich, dass ich in eine Art
Schacht fiel. Plötzlich war ich in einem stockfinsteren Tunnel. Am Ende war ein eigenartiges Licht. Ich hatte überhaupt
keine Angst und wusste nur: "Dort muss ich unbedingt hin." Ich kam immer näher und näher und fühlte solchen
Frieden, wie ich ihn noch nie im Leben empfunden habe. Plötzlich spürte ich, wie mich jemand rüttelt und wachte auf. Ich
war so zornig, dass ich es kaum beschreiben kann. Fast war ich bei dem Licht angelangt und jetzt lag ich in meinem Bett
im Krankenhaus. Für mich ist ganz klar, dass das kein Traum war. Ich habe seither überhaupt keine Angst mehr vor dem
Sterben, denn ich weiß ja jetzt, was mich erwartet. Auf eine bestimmte Art, die ich nicht beschreiben kann, bin ich auch
ein besserer Mensch geworden."
Manuela, (Name der Autorin bekannt):
"Bei meiner Mutter gab es anlässlich einer schweren Operation einen Narkosezwischenfall. Als sie erwachte erzählte sie uns
von einem Tunnel und der Begegnung mit einem überirdisch schönen Licht. "Stellt Euch vor, ich habe den Herrgott
gesehen", sagte sie. Ihr ganzes Leben lang hat sie sich gewünscht, dieses Erlebnis noch einmal zu haben. Drei Mal
hat sie uns später davon berichtet, daß sie im Traum wieder dieses Licht gesehen hat: "Man fühlt sich bedingungslos
angenommen und so als ob jede Last von einem genommen wird". Sie starb später an Leukämie und hatte seit dieser
Erfahrung überhaupt keine Angst vor dem Sterben."
Peter, 50 (Name der Autorin bekannt):
"Als Kind hatte ich einen Fahrradunfall, bei dem ich mich mehrmals überschlug. Ich spürte den Aufprall nicht mehr,
sondern sah meinen Körper plötzlich aus großer Höhe auf der Erde liegen. Einige Leute standen um mich herum und ich sah,
dass mein Gesicht blutüberströmt war. Das einzige, was ich in diesem Moment dachte war: Wieso kann ich sehen, wenn mein
Körper doch dort unten liegt? Dann hörte ich ein starkes Brummen und fühlte mich wie von einem Staubsauger in einen
Trichter gezogen. Dann weiß ich Nichts mehr. Irgendwann erwachte ich und hatte höllische Schmerzen. Mir war, als ob
mein ganzer Körper brannte. Ich schlug mühsam die Augen auf und sah, wie ein älterer Arzt sich über mich beugte. Er teilte
mir mit, dass ich im Koma gelegen sei. Ich wollte von meinem Erlebnis berichten, aber er sagte: "Du bist schwer
verletzt und phantasierst." Ich weiß, dass ich damals fast gestorben wäre und ich glaube heute, dass Sterben sich
genauso abspielen wird. Später bin ich auf die Bücher von Dr. Moody gestoßen, und von da an wusste ich, dass ich nicht
phantasiert habe. Dieses Erlebnis führte zu meinem frühen Interesse an Religion und spirituellen Dingen."
N.N.(Name der Autorin bekannt):
"Während einer Grippe lag ich im Bett und es ging mir sehr schlecht. Plötzlich befand ich mich in einem unheimlich
dunklen Tunnel. Ich hatte große Angst. Dann sah ich ein wunderschönes Licht, das immer heller wurde. Am Ausgang
des Tunnels stand ein Mann, den ich einmal sehr geliebt habe und der seit acht Jahren tot ist. Mein Vater und einige
Bekannte (ebenfalls bereits verstorben) standen hinter ihm. Mein Freund vermittelte mir, dass ich nicht bleiben könne,
weil meine Zeit noch nicht da sei. Ich war unglaublich enttäuscht, aber meine Furcht vor dem Tod ist seither
verschwunden"
LITERATUR:
Dr. Engelbert Winkler:
"Das Abendländische Totenbuch“,
Corona Verlag
Dr.R. Moody:
"Das Leben nach dem Tod“,
Rowohltverlag
Elisabeth Kübler-Ross:
"Über den Tod und das Leben danach“,
Verlag Silberschnur
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© Sabine Standenat