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Sanfte Medizin für die Frau


Gibt es wirklich gegen jedes Leiden das berühmte Kraut? Gerade bei der Behandlung frauenspezifischer Erkrankungen werden durch alte Hausmittel, Homöopathie, TCM, Ayurveda oder Energietherapien beste Erfolge erzielt. Was kann die "sanfte Medizin"?

Immer mehr Frauen spüren instinktiv, dass die technisch-chemischen Methoden der Schulmedizin bei vielen ihrer Beschwerden nicht den gewünschten Erfolg bringen. Sie wünschen sich Ärzte, die den sensiblen Zusammenhang zwischen Seele und Körper erfassen und mit sanften Therapien das Gleichgewicht wieder herstellen. Viele dieser "neu entdeckten" Behandlungsansätze sind uralt. So existiert die Kunde von der Heilkraft der Pflanzen oder die Idee eines Energiekörpers neben dem physischen Körper seit ewigen Zeiten. Das chinesische Heilsystem ging schon immer davon aus und auf der anderen Seite des Erdballs wurde das Wissen von den Ägyptern an die Griechen und Römer weitergegeben. Durch die Aufzeichnungen islamischer Gelehrter und europäischer Klöster blieb es bis in unsere Tage erhalten.

Warum fühlen sich so viele Frauen von diesen Traditionen angezogen? Die Ärztin Dr. Beate Schaffer hat ihre Wiener Ordination nicht nur als Heilraum gestaltet, sondern verwendet in überwiegendem Maße die Methoden dieser "anderen" Medizin: "Frauen spüren genau, dass es bei jeder Therapie wichtig ist, nicht die Krankheit, sondern den ganzen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Instinktiv fühlen sie, dass bloßes Pulverschlucken nicht die Lösung ihrer Probleme darstellt, sondern auch die psychische Verfassung bei der Heilung eine große Rolle spielt. Außerdem wirken gängige Medikamente bei Frauen oft ganz anders als bei Männern. So sind sie häufiger auf der Suche nach natürlichen Behandlungsmethoden."

Die sanfte Medizin hat viele Gesichter. Eine große Anzahl von Systemen und Anwendungen lassen sich unter diesem Begriff zusammenfassen. Die bekanntesten sind folgende:

TRADITIONELLE CHINESISCHE MEDIZIN
Die Heilkunst aus dem Reich der Mitte ruht auf vier Säulen: Ernährung, Kräuter, Akupunktur und bestimmte Bewegungsformen. Die Chinesen gehen davon aus, dass die Lebensenergie Qui den menschlichen Körper durchfließt und dadurch alle Organe miteinander in Verbindung stehen. Krankheit liegt dann vor, wenn dieser Energiefluss gestört ist. Heilung nach chinesischer Tradition bedeutet, Maßnahmen zu setzten, damit die Lebensenergie wieder ungehindert fließen kann. Wichtige Aufschlüsse über den Gesundheitszustand bekommt der Arzt über Puls- und Zungendiagnostik.

PFLANZENKUNDE
In der Naturheilkunde werden heute mehr als 3000 Heilpflanzen genutzt, um Krankheit vorzubeugen oder zu heilen.

HOMÖOPATHIE
Vor über 200 Jahren erregte der Arzt Samuel Hahnemann mit seinen revolutionären Ideen die medizinische Welt: Er behandelte Beschwerden mit teilweise extrem verdünnten Mitteln, die bei einem Gesunden genau die Symptome auslösen, gegen die sie beim Erkrankten gegeben werden. Seine Lehre wurde heftig bekämpft, ist aber heute aus der komplementären Medizin nicht mehr wegzudenken.

AYURVEDA
Die indische Heilkunst gilt als die älteste Medizinlehre der Menschheit. Sie dient nicht nur der Behandlung von Krankheiten, sondern vor allem der Stabilisierung der Gesundheit. Es werden je nach Körperbau, Hautbeschaffenheit, Verdauung und psychischen Gegebenheiten drei Konstitutionstypen – Vata, Pitta und Kapha - unterschieden, für die eigene Therapieempfehlungen gelten. Die Behandlungsmethoden wie zum Beispiel Einläufe, Ölmassagen, oder Trinken von heißem Wasser haben das Ziel, den Körper zu entgiften. Ayurvedischer Grundsatz: "Das Gleichgewicht von Stoffwechsel, Verdauung, Körpergewebe und Ausscheidung sowie Glückseligkeit von Bewusstsein, Geist und Sinnen sind die Voraussetzungen für Gesundheit"

HILDEGARDMEDIZIN
Die heilige Hildegard von Bingen entwickelte ein ganzheitliches Heilsystem, in dem Körper, Seele und Geist untrennbar zusammengehören und der Mensch immer in Zusammenhang mit der göttlichen Ordnung betrachtet wird. Zur Therapie gehören: Ernährungslehre (spezielle Gewürze wie Galgant, Bertram und Quendel...), Kräuterkunde, Edelsteintherapie, ausleitende Verfahren, spirituelle Psychotherapie...

ENERGIEMEDIZIN
Diese Behandlungsform geht davon aus, dass jeder Mensch ein Energiefeld hat, dass ihn umgibt und durchströmt. Dr. Barbara Stekl, Energietherapeutin: "Dieser Energiekörper ist bei den meisten von uns durch seelische Schmerzen und Verletzungen blockiert. Mit liebevollen Berührungen werden nicht nur Blockaden gelöst, sondern durch die Harmonisierung von Seele und Körper auch die Selbstheilungskräfte aktiviert. Die bekanntesten Methoden sind Reiki und Touch for health."


Welche "sanften" Methoden können nun speziell Frauen helfen?

1. AUSFLUSS
Behandlungsbedürftig ist Ausfluss dann, wenn er mit Brennen, Jucken, Rötungen und Schwellungen der Scheide einhergeht, oder einen unangenehmen Geruch hat.

-Machen Sie Sitzbäder mit Fertigextrakten von Eichenrinde. Wirkt desinfizierend und juckreizlindernd!
-Trinken Sie folgende Teemischung mehrmals täglich über 4 Wochen: 2–3 Teelöffel von 1/3 Scharfgarbe, 1/3 weiße Taubnessel und 1/3 Frauenmantel mit 1/4 l sprudelndem Wasser übergießen, 10 Minuten stehen lassen und abseihen.

2. BRUSTSPANNEN
Verschiedene Heilpflanzen enthalten pflanzliche Östrogene, die bei hormonbedingten Beschwerden ausgleichend wirken:

-3 Tassen Brennnesseltee über den Tag verteilt trinken
-1 Teelöfel Kermeswurzel mit 1/2 l Wasser übergiessen und aufkochen. 10 Minuten köcheln lassen und abseihen. Über den Tag verteilt trinken
-3x täglich das homöopathische Mittel Phytolacca D6 einnehmen, bei starken Beschwerden auch stündlich
-täglich eine Pasta aus Heilerde und lauwarmem Wasser anrühren, dünn auf die Brust auftragen und trocknen lassen. Nicht während der Blutung!

3. MASTOPATHIE
Wenn Sie Verhärtungen von Milchgängen, kleine Zysten im Brustdrüsengewebe oder Gewebeverdichtungen an sich feststellen ( bei Verdacht auf "Knoten" sofort abklären lassen!!) versuchen Sie folgendes:

-Das Mönchspfefferpräperat Vitex agnus castus D4 einnehmen oder als Salbe auf die schmerzenden Stellen streichen
-höhere Dosen von Vitamin E
-Umstellung auf Vollwertkost

4. MENSTRUATIONSBESCHWERDEN
Durch die Abstoßung der oberen Schicht der Gebärmutterschleimhaut kann es zu krampfartigen Unterleibsschmerzen kommen. Diese Maßnahmen haben sich bewährt:

-Wärmeflasche mit einem feuchten Tuch umwickeln, auf den Bauch legen und ein trockenes Tuch darüber breiten
-Vollbad mit Rosen-, Geranien- oder Salbeiöl
-2-3 mal täglich 2 Kapseln aus Gänsefingerkraut
-Schüsslersalz Nummer 7, Magnesium Phosphoricum D6
-sanfte Massage des Unterleibs mit Johanniskrautöl
-Akupressurpunkt "Treffpunkt der drei Yin" 4 Fingerbreit über dem höchsten Punkt des inneren Knöchel einige Minuten massieren

5. PRÄMENSTRUELLES SYNDROM
Ein kurzzeitiges Ungleichgewicht der Hormone Östrogen und Progesteron ist dafür verantwortlich, dass etwa 40 % der Frauen vor der Regelblutung unter folgenden Symptomen leiden: depressive Verstimmung, innere Unruhe, Heißhungerattacken, Kopf- und Kreuzschmerzen, Wasseransammlung in den Beinen. Probieren Sie:

-Mönchspfeffer zur Regulierung des hormonellen Gleichgewichtes. 1/2 Jahr lang 40 Tropfen morgens auf nüchternen Magen
-Johanniskraut hellt die Stimmung auf: 2 Teelöffel mit 1/4 l Wasser zum Kochen bringen, nach 2 Minuten abseihen. 3x täglich ein Tasse
-Bachblüten: Wild rose, auch Aspen, Larch und Olive bei Ängsten und Erschöpfung
-Chamomilla D6 bei akuter Nervosität, Weinerlichkeit oder Bauchschmerzen

6. WECHSELBESCHWERDEN
Während der Menopause kommt es zu einem Absinken des Östrogenspiegels und damit zum Ausbleiben der Regelblutung. Diese Zeit kann mit unterschiedlichsten Beschwerden einhergehen: Hitzewallungen, Depressionen, Schlafstörungen, Reizbarkeit.

-SEPIA D6 bei aufsteigender Hitze
-Baldriankapseln gegen Unruhe, Ängste und Schlafprobleme
-Löwenzahnsalat gegen Wassereinlagerungen
-Süssholzcreme gegen trockene, schuppende Haut
-Traubensilberkerze steigert das Lustempfinden
-energetische Behandlungen beruhigen das durch die Umstellung gereizte System von Körper und Seele

7. ZYKLUSSTÖRUNGEN
Durch körperlichen und seelischen Stress, Krankheit, Ortswechsel oder rasche Gewichtsabnahme kann es zu Unregelmäßigkeiten im Regelzyklus kommen. Unbedingt abklären lassen, ob eventuell Zysten oder Myome dafür verantwortlich sind! Bewährte Hilfsmethoden:

-Massage des "Uteruspunktes" an der Innenseite des rechtes Fußes, zwei Fingerbreit unterhalb des Knöchels oder des "Ovarpunktes" unterhalb des Äußeren linken Knöchels
-Beckenkreisen fördert die Durchblutung des Unterleibs und wirkt ausgleichend
-Homöopathika individuell auf die Konstitution der Frau abgestimmt

8. SCHWANGERSCHAFT
Wer ein Baby erwartet ist vielen körperlichen und seelischen Veränderungen ausgesetzt. Neben Freude und Euphorie können auch einige Unpässlichkeiten auftreten (Selbstbehandlung immer mit dem Arzt des Vertrauens absprechen!):

-Trinken Sie bei Übelkeit schluckweise Pfefferminztee oder kauen Sie kleine Stücke Obst oder Gemüse
-1/3 Teelöffel losen Ingwerpuder mit 150 ml Wasser aufkochen, täglich 2-3 Tassen trinken
-spezielles Yoga oder Bauchtanz für Schwangere gegen Rückenschmerzen und zur Geburtsvorbereitung
-häufiges Sitzen auf einem Plastikball

9. HARNWEGSINFEKT
Bei der Infektion der Harnwege kann es zu einer Entzündung von Harnröhre, Blase oder der Harnleiter kommen. Typische Symptome sind Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, allgemeinem Krankheitsgefühl und Fieber. Wichtig: Der Arzt entscheidet, ob Antibiotika gegeben werden sollten oder sanfte Verfahren ausreichen.

-2-3 Tassen Bärentraubenblätter-, Brennessel- oder Löwenzahntee
-warmes Sitzbad
-heiße Kompressen: Tauchen Sie ein mehrfach gefaltetes Baumwolltuch in eine Schüssel mit kochend heißem Wasser, ausdrücken, in ein Frotteetuch wickeln und auf den Unterbauch legen. Darüber kommt ein trockenes Wolltuch und eine Wärmeflasche. Lassen Sie diese Auflage solange liegen bis sie ausgekühlt ist.
-ansteigendes Fußbad: Füße in einen Kübel mit heißem Wasser stellen und immer wieder nachgießen


Die sanfte Medizin boomt. Es gibt eine Fülle von unterschiedlichsten Methoden wie Massagen, Aromaölbehandlungen, Wasseranwendungen, Lichttherapie, Psychotherapie, Entspannungsverfahren und Ernährungsempfehlungen. Die bekanntesten Vertreter dieser Richtung im europäischen Raum waren Paracelsus, Rudolf Steiner, Hildegard von Bingen, Samuel Hahnenmann und Pfarrer Kneipp. Gerade wir Frauen haben intuitiv einen guten Zugang zu altem Heilwissen. Lassen Sie also Beschwerden unbedingt abklären, geben Sie aber bei der Behandlung durchaus zunächst sanften Methoden eine Chance.

LITERATUR:

J. Grünwald/C. Jänicke:
"Grüne Apotheke"
GU Verlag 2004
ISBN 3-7742-6464-3
Euro 25,60

"Das große Hausbuch der sanften Medizin", ein ADAC Buch
ADAC Verlag 2001
ISBN 3–8264-1076-9
Euro 42,00


Kontakt:
Dr. Beate Schaffer
 Jagdschlossgasse 40
 1130 Wien
 Tel: 01 879 76 11

Dr. Barbara Stekl
 Energietherapeutin
 Termine über Praxis Dr. Beate Schaffer
 Tel: 01 879 76 11



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