Krebskranke, die von den Ärzten aufgegeben wurden, werden wieder völlig gesund. Tumore,
die erfahrungsgemäß ständig wachsen, verschwinden ohne erkennbaren Grund.
Überall auf der Welt geschehen Heilungen, die nach dem heutigen Stand der Forschung nicht zu erklären sind. Ein
Wunder oder ein noch unentdeckter Mechanismus?
Es ist das Jahr 1982 an der Krebsstation im Allgemeinen Krankenhaus in Wien: Fassungslos starrt der junge Oberarzt
Dr. Heinz Ludwig, heute einer der führenden Krebsspezialisten unseres Landes im Wilhelminenspital, auf das
Röntgenbild in seiner Hand. Vor einem Jahr hatte er bei einem Patienten Nierenzellkrebs und Metastasen in der Lunge
diagnostiziert. Die Lebenserwartung war äußerst gering. Der Patient lehnte damals jede Behandlung ab. Nun zeigte das
Bild die Lunge vollkommen frei von Metastasen. Der Tumor war auf geheimnisvolle Weise verschwunden.
Ähnlich fasziniert reagierten Ärzte in Deutschland. Nach menschlichem Ermessen hatte Günther Katterle keine Chance
auf Überleben. Ein riesiger Tumor drang von der Leiste her in die Bauchhöhle, Lunge und Leber waren voller Metastasen.
Chemotherapie und Strahlenbehandlung kamen wegen des geschwächten Zustandes nicht in Frage. Ein Jahr später zeigten
die Röntgenbilder keinen Hinweis mehr auf ein bösartiges Krankheitsgeschehen. Herr Katterle war wieder völlig gesund.***
Unerwartete Genesungen sind ein wichtiges Thema in unserer Medizin und doch erhalten sie bisher nicht die Beachtung,
die sie verdienen. Es klingt wie ein Märchen: Menschen mit weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, deren Zustand
sich unaufhaltsam verschlechtert, werden gegen jede medizinische Erwartung geheilt. Vor unseren Augen läuft ein
unglaublicher Heilungsprozess ab, von dem die Ärzte noch wenig wissen. Wie bilden sich bösartige Tumore plötzlich
ohne erkennbaren Grund zurück? Warum verlässt der Krebs den Körper ebenso geheimnisvoll wie er einst Besitz von ihm
ergriffen hat? Gibt es eine unbekannte Kraft, die der Krebszelle den Befehl gibt „Stirb!"? Univ. Prof. Dr. H.
Ludwig: "Bei unserem heutigen Forschungsstand können wir diese Fragen nicht beantworten. Aus irgendeinem Grund
beginnen die Krebszellen, sich selbst zu vernichten. Die Mechanismen, die diesen Vorgang auslösen, sind aber unbekannt.
Wir können eine Spontanheilung daher weder erzwingen noch willentlich herbeiführen. Es ist inzwischen bekannt, daß
Methoden wie Psychotherapie, Meditation und Autosuggestion das allgemeine Befinden verbessern. Ob es dadurch eher zu
einer spontanen Heilung kommt ist ungewiss."
Ein Tumor verschwindet scheinbar von allein. Obwohl dieses Phänomen unglaublich spektakulär ist, haben bis jetzt wenige
Forscher versucht, dem Geschehen auf den Grund zu gehen. In Deutschland gab es 1997 erstmals einen Kongress zum Thema
"Spontanheilungen", auf dem Wissenschafter ihre Erkenntnisse zu diesem Thema diskutierten. Nach gründlicher
körperlicher und seelischer Untersuchung von Geheilten kamen sie zu folgenden grundlegenden Ergebnissen:
o Es gibt einen unbekannten Mechanismus, der die Krebszelle veranlasst, sich selbst zu zerstören
o Die Psyche hängt mit dem Immunsystem in weit größerem Ausmaß zusammen als bisher angenommen. Daher spielen das
Denken und Fühlen des Patienten sowie Eigenverantwortung und Eigeninitiative eine äußerst wichtige Rolle. Fast
alle Menschen mit spontanen Rückbildungen hatten ihr Leben nach der Diagnose in wichtigen Punkten geändert. Sie
lernten sich selbst zu lieben, Gefühle auszudrücken und die Krankheit nicht als unabänderlichen Schicksalsschlag
sondern als Herausforderung zu sehen. Sie glaubten, auch an eine höhere Macht, bei der sie Hilfe und innere
Führung finden können. Univ. Prof. Ludwig: "Es gibt Studien, die belegen, daß Menschen, die gläubig sind, bei
einer Krebserkrankung höhere Überlebenschancen haben. Das Gleiche gilt für Patienten die beten und für die gebetet
wird."
Es gibt einen Ort, an dem seit über hundert Jahren Heilungen geschehen, die sogar nach den strengen Kriterien der
Kirche als Wunder anerkannt werden - Lourdes. Über drei Millionen Menschen fahren jährlich zur der berühmten Grotte,
in der 1858 Bernadette Soubirous eine Marienerscheinung hatte. Der kleine Ort am Fuße der Pyrenäen wurde seitdem zur
Pilgerstätte für Menschen aller Nationalitäten und Religionen. Tausende Kranke, die zum Teil liegend transportiert
werden, beten vor der Grotte um Linderung oder Heilung ihrer Leiden. Jedes Jahr werden ungefähr 20 Menschen auf
unerklärliche Weise nach einem Besuch in Lourdes gesund. Ein internationales Ärzteteam untersucht die einzelnen Fälle
und dokumentiert sie in einem Archiv. Die Heilung wird erst dann anerkannt, wenn die Krankheit organisch war, die
Gesundung plötzlich und im Zusammenhang mit Lourdes einsetzte und außerdem von Dauer ist.
Spontane Heilungen sprechen für das Vorhandensein einer verborgenen Kraft, die auf keinem Röntgenschirm auftaucht und
die sich nicht messen und wägen lässt. Warum wirkt diese Kraft aber nur bei 20 Menschen weltweit im Jahr oder bei
einem von 100.000 Kranken? Allerdings betonen alle Forscher, dass es keine genauen Zahlen gibt. Sie gehen davon aus,
daß viele unerwartete Genesungen geschehen, die nie wissenschaftlich erfasst werden. Spontane Rückbildungen sind selten,
aber es gibt sie. Vielleicht werden wir ihren Mechanismus einmal verstehen, möglicherweise bleiben sie ein Geheimnis
wie das Leben selbst. Auf jeden Fall wäre es äußerst wichtig, Forschungen auf diesem Gebiet zu intensivieren, denn
offenbar kann im Körper etwas erzeugt werden, das Heilung bei Krebs auslöst. Wenn ein Mensch über Selbstheilungskräfte
verfügt, die Tumore zum Verschwinden bringen, dann sollte die Erforschung dieses Vorganges eines der wichtigsten
Anliegen sein. Hunderten Patienten auf der ganzen Welt ist es gelungen, bösartige Zellen unschädlich zu machen.
Vielleicht lernt die Medizin eines Tages das Gleiche. Die Ärzte haben sich bis jetzt mehr auf das Verhalten der Tumore
konzentriert, als auf mögliche Verhaltensweisen von Menschen, die unerwartet gesund wurden. Was haben diese Patienten
gedacht, gefühlt, getan? Lassen sich vielleicht Übereinstimmungen finden, die auch anderen Kranken helfen?
Die Diagnose Krebs wird auch heute noch häufig als Todesurteil verstanden, verbunden mit Schmerzen und würdelosem
Sterben. Aber die Botschaft heißt: Krebs verläuft nicht automatisch tödlich. Mehr als die Hälfte der Patienten
werden mit den Methoden der heutigen Medizin geheilt oder können trotz Erkrankung ein gutes Leben führen. Hoffnung
gibt es immer. Und es ist ein tröstlicher Gedanke, dass gegen alle Logik, Erfahrung und Statistik überall auf der Welt
Menschen spontane Heilungen erleben.
LITERATUR:
C. Hirshberg, M.I. Barasch:
"Gesund werden aus eigener Kraft-Spontanheilungen aus eigener Kraft",
Verlag KNAUR, 1997
*** Daten sind dem Video der Deutschen Krebshilfe "Wunder sind möglich - Spontanheilungen bei Krebs" entnommen.
Dieser Artikel ist am 3.10.1999 in der KRONEN ZEITUNG erschienen.
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